Amtage bloggt Was man in Minden so hört

    Eine will in Minden mehr machen als Jäcke

    Ab 2020 will die Sozialdemokratin Sabine Giesen als Bürgermeisterin Minden erneuern. Auf ihrer Webseite kündigt sie das jedenfalls an. Foto: Screenshot/PR

    Ab 2020 will die Sozialdemokratin Sabine Giesen als Bürgermeisterin Minden erneuern. Auf ihrer Webseite kündigt sie das jedenfalls an. Foto: Screenshot/PR

    Soll mal einer sagen, in Minden sei politisch nichts los. Merkt nur keiner. Denn das politische Handeln findet unterirdisch statt. Und damit ist auch schon die Art und Weise des politischen Handelns beschrieben: unterirdisch.

    Wer in den vergangenen Monaten Mindens einschlägige Medien verfolgte, der konnte zumindest ein wenig erahnen, was sich da in den politischen Tiefen der Stadt so abspielte. Die sogenannte Liberale Fraktion bemühte sich intensiv, sich durch innerparteiliche Streitigkeiten selbst zu zerlegen. Was sie dann ja auch prima geschafft hat. Ich habe in meinen mehr als drei Jahrzehnten journalistischer Tätigkeit selten eine so hervorragend inszenierte Selbstzerlegung erlebt, wie bei den Liberalen, die wohl eher monarchistische Intentionen pflegen als Liberalismus. „12 points“, um es mal im ESC-Jargon zu beschreiben.

    Nun ist diese liberale Restfraktion ja nicht nur unter sich, sondern hat die Piraten mit im sinkenden Boot. Wobei mir noch nicht so ganz klar ist, ob diese irrlichternden Freibeuter beim Löcherbohren im Bootsrumpf der Ex-Liberalen-Fraktion kräftig mitgewirkt haben oder mehr zufällig ins Kreuzfeuer geraten sind. Zumindest sind diese Piraten, die irgendwie ständig auf einem Selbstfindungs- und Neuorganisationstrip sind, offensichtlich dabei, krampfhaft zu versuchen, von Bord zu kommen. Denn wie man immer wieder hört, versuchen sie ein neues Schlachtschiff zu finden, auf das sie übersetzen können – und sei das Schiff auch noch so klein. Zu finden aber scheinen sie keins. Womöglich, weil sie so beliebt sind wie die Pest an Bord.

    Aus-, Über-, Ein- und andere Tritte im Rat Minden

    Apropos klein: andere Kleine im Mindener Rat sind inzwischen durch Aus-, Über-, Ein- und andere Tritte so zersplittert, dass man diese Mindener Stadtverordnetenversammlung in Teilen trefflich als Scherbenhaufen bezeichnen kann. Und bei diesem Haufen scheint sich das Auffegen, um die Scherben wenigstens ansatzweise wieder zusammenzukleben, nicht im geringsten zu lohnen. Dass in diesen Scherbenkreisen politisches Unvermögen mit Populismus übertüncht wird, ist dabei selbstverständlich. Und wenn dann noch die Führung des Doktortitels eines Ratsmitgliedes zum zentralen Thema wird, weiß der geneigte Beobachter: in der Mindener Politik werden echte Prioritäten gesetzt.

    All das scheint die etablierten Großen im Rat (wir erinnern uns, auch SPD und CDU sitzen in dem Gremium) in ihrem sanften politischen Schlaf ohnehin nicht mehr zu interessieren. Möglicherweise, weil es absolut keinen Sinn mehr macht, sich mit Flachparolen auseinanderzusetzen.

    Und über all dem steht der Bürgermeister namens Michael Jäcke, von Haus aus Sozialdemokrat (was gleich noch wichtig sein wird). Würde ich diesem Rat vorsitzen, hätte ich mir vermutlich schon die politische Kugel gegeben (zumindest in Form einer bitteren Rocher-Kugel in schwarz-roter Mattfolie).

    Ginge es nun nach einer Sozialdemokratin aus Minden, dann muss Michael Jäcke das ganze Drama ohnehin nur noch rund zwei Jahre ertragen. Denn diese Eine, beschäftigt in der Stadtverwaltung unter Jäcke, will in Minden mehr machen als der amtierende Bürgermeister. Kündigt sie jedenfalls auf ihrer Webseite Minden-macht-mehr.de an, wo sie erklärt: „Mein Name ist Sabine Giesen und ich werde im Jahr 2020 für das Amt der Bürgermeisterin von Minden kandidieren.“

    Sozialdemokratin kontra Sozialdemokrat?

    Was sie dazu befähigt, beschreibt die selbsternannte Kandidatin ebenfalls und betont ausdrücklich, dass sie eine ambitionierte Sozialdemokratin sei. Da fällt mir mit Blick auf Michael Jäcke nur eine Floskel ein: Wer solche Parteifreund*innen hat, braucht keine Feinde.

    Übrigens hört man, dass jene Sozialdemokratin „aus dem Umfeld des Herrn Schnake“ (so der Flurfunk im Rathaus) kommt. Das ist jener Ich-will-Bürgermeister-werden-Selbstdarsteller, der bei der letzten Kommunalwahl schon mal kandidierte und wohl auch wieder kandidieren will. Damit er nicht in Vergessenheit gerät, stellt er ständig Bürgeranfragen im Rat, um sich als wichtiger Bürger der Stadt zu beweisen. Eigentlich passt das zum Gesamtbild der kommunalpolitischen Szenerie in unserer schönen Stadt.

    Jetzt könnte man ja hoffen, dass das alles in Vergessenheit gerät, wenn das Rathaus demnächst eingerüstet und für rund eineinhalb Jahre mit einer Plane zugehängt wird. Ich fürchte aber, dass sämtliche Plattheiten auch weiterhin aus dem Rathaus dringen werden – und sei die Plane noch so dicht. Denn unterirdische Politik wabert einfach unter der Abdichtung hindurch.

    © Hans-Jürgen Amtage

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