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Die sind dann mal weg!

Still ruht die Stadt. Nicht nur, weil verschiedene Geschäfte schließen, sondern weil der Schnee ein ruhiges Kleid über Minden gelegt hat. Foto: Edwin-Dodd.com

Still ruht die Stadt. Nicht nur, weil verschiedene Geschäfte schließen, sondern weil der Schnee ein ruhiges Kleid über Minden gelegt hat. Foto: Edwin-Dodd.com

Von Hans-Jürgen Amtage

In Minden ist einmal wieder das große Jammern angesagt. Gastronomie schließt am laufenden Band am Markt, der letzte große Nahversorger packt die Waren ein und bei Hellmich am Wesertor scheint es nach der H&M-Eröffnung auch nicht wirklich weiterzugehen.

Die Reaktion ist – wie eingangs beschrieben – das große Jammern in Teilen der Mindener Bevölkerung. Und schon wird vermeintlichen Gralsbringern hinterher gehechelt, die in absehbarer Zeit irgendeine Tür in der City wieder öffnen. Kaum aber einer stellt die Frage, warum die Entwicklung zwischen Wesertor und Kaak am Obermarkt so ist wie sie ist.

Zum einen dürften die Schließungen im unmittelbaren Zusammenhang mit der Publikumsfrequenz liegen. Sind nur wenige Kunden da, kann das Geschäft nicht funktionieren. Denn – Pech für alle, die glauben, wir lebten im Sozialismus – ein Geschäft hält seine Pforten nur offen, wenn die Umsätze und letztlich die Gewinne stimmen. Da hilft auch kein Jammern von Senioren- oder anderen Initiativen. Geld hat keiner zu verschenken, auch nicht die häufig wohl situierten Senioren.

Erfolglose Nebeneinsteiger

Es lohnt sich aber auch, einmal zu betrachten, wer häufig – besonders in der Gastronomie – die Geschäfte betreibt. Sehr oft sind es Nebeneinsteiger, die an das Gute im Kunden und der ausstattenden Brauerei glauben und das als Geschäftsgrundlage betrachten. Mal ist es ein „Fachmann“, der als Geschäftsmann erfolgreich im horizontalen Gewerbe gewirkt hat, mal der Angestellte, der andere Wege gehen will.

Basis für die Kundenbetreuung sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die, wenn sie genau auf ihre Lohnabrechnung schauen, wahrscheinlich nicht einmal den Mindestlohn erreichen. Wirklich ausgebildete Fachkräfte nehmen einen solchen Job gar nicht erst an. Hinzu kommt oft die Stimmung, die der Arbeitgeber an seinen Beschäftigten auslässt, wenn es nicht so läuft wie erträumt. Die Konsequenz: der Kunde beziehungsweise Gast spürt das bei der Bedienung, schaut sich das Ganze zwei-, dreimal an und kommt dann nicht wieder. Damit ist das Aus eingeleitet.

Neue Konzepte, geringe Halbwertzeit

Nach solchen Erfahrungen auf Konzepte zu setzen, die jetzt von sogenannten Eventmanagern präsentiert werden, die ihr Herz für die Gastronomie entdeckt haben, scheint sehr gewagt. Zumal die Halbwertzeit der bisherigen Projekte dieser Spezies sehr überschaubar ist.

In diesem Zusammenhang muss man sich die Frage stellen, warum Gastronomie beispielsweise im Hause Hagemeyer und an anderer Stelle funktioniert? Es wird sicherlich damit zusammenhängen, dass hier Profis am Werk sind, denen ebenfalls nichts geschenkt wird und die nachweisen müssen, dass ihr Laden läuft. Das setzt ständiges Dranbleiben voraus, Hinterfragen, Märkte analysieren, immer wieder neue (kulinarische) Ideen präsentieren. So würde ich meine Hand dafür ins Feuer legen, dass auch das vierte gastronomische Konzept in der Galerie am Scharn, das sich Pano nennt und auf Franchise basiert, erfolgreich sein wird. Abgucken würde sich für manch einen Möchtegerngastronomen lohnen.

All dieses ist natürlich nicht einfach auf einen Nahversorger wie Kaufland zu übertragen, der im September die Flügel in der Obermarktpassage streckt. Abgesehen davon, dass das unsägliche Verhalten der aktuellen Eigentümer, auch nicht ansatzweise Interesse zu zeigen, die Passage neu zu entwickeln, die Spitze des Eisberges ist. Wahrscheinlich lohnt sich der weitgehende Leerstand für die Immobilieneigentümer mehr (Abschreibung!) als eine Investition in das Objekt.

Hinzu kommt, dass das Konzept Obermarktpassage schon kurz nach der Eröffnung im Jahr 1984 und dem ersten Hype sich als nicht erfolgreich erwies. Die längste durchgehende Fußgängerzone Deutschlands vom Wesertor bis zum Kaak hat eben ihre Schwachstellen – und die liegen vor allem an den Enden.

Mittendrin und außen vor

Doch zurück zu Kaufland. Schon der Vorgänger Real hatte in den letzten Jahren seines Bestehens ein Kernproblem. Der Supermarkt wirkte wenig einladend. Das schlug sich in der Kundschaft nieder. Und Kaufland konnte diesen Trend nicht umdrehen. Selbst wenn die Einnahmen einigermaßen gewesen sein sollten, für die Gewinnzone reichte es sicher nicht – und die ist und bleibt nun einmal das Maß aller Dinge (siehe oben). Der Standort dürfte damit angesichts des Gesamtzustandes der Passage für lange Zeit verbrannt sein. Das Nachsehen haben all diejenigen, die aus vielerlei Gründen ihren Lebensmittelpunkt in der Innenstadt haben. Sie leben mittendrin und sind doch außen vor.

Bleiben aber noch andere Problemfälle – wie beispielsweise das Hellmich-Center am Wesertor (besser bekannt als Karstadt-/Hertie-Brache). Was wurde das neue Konzept gefeiert, nach der bitteren Wesertorgalerie-Pleite mit ECE. Und mit dem Dinslakener Unternehmer Hellmich schien tatsächlich jemand gefunden worden zu sein, der sein Geschäft versteht. Die Frage ist, ob er Minden verstanden hat? Die Stadt, die ein Mittelzentrum ist, aber ihre Schwächen in der Käuferschaft hat.

Zweifelsohne hat der Bauunternehmer den Komplex deutlich aufgewertet. Doch wo bleiben die Mieter? H&M ist in der Bäckerstraße von A nach B gezogen – was also unter dem Aspekt Einzelhandelszugewinn in der Mindener City ein Nullsummenspiel ist. Ein Sportstudio soll hier noch eröffnen. Schön, aber was hat das mit Kundengewinn zu tun? Nassgeschwitzt zum Einkaufsbummel? Wohl eher nicht.

Oft sind inzwischen Immobilienscouts aus ganz Deutschland am Wesertor zu sehen, die eifrig fotografieren – vor allem das Umfeld. Da wäre es angebracht, wenn die Stadt zügig ihre Pflasterarbeiten in der Bäckerstraße zum Abschluss bringen würde, damit das Quartier mehr ausmacht als einen Flickenteppich.

Viel Hype in Minden um was?

Und genau so viel Hype wie um Hellmich gemacht wurde, wird nun an anderer Stelle in der Innenstadt gemacht: bei Wehmeyer – ehemals Kepa. Seit Jahren steht die Immobilie im Einzelhandelsbereich leer. Der Eigentümer und Mindener Unternehmer schien wenig Interesse zu haben, hier etwas zu unternehmen. Warum auch, wenn man sich in einem Rechtsstreit mit dem Pächter ergehen kann, der auch für einen Leerstand zahlt. Dass dieser Eigentümer auch noch Vorsitzender des Fördervereins „Mehr Minden“ ist, das ist geradezu Realsatire.

Nun aber soll es ja passieren. Irgendetwas wird dort wohl einziehen (möglicherweise auch ein Sportstudio?) – in ein sicherlich ansehbares, umgestaltetes Gebäude. Den in diesem Zusammenhang wieder ins Spiel gebrachten Fahrstuhl an der Martinitreppe zwischen Unter- und Oberstadt lassen wir mal zunächst außen vor, solange nicht geklärt ist, wer letztlich langfristig die Zeche dafür zahlt.

Ach, ja, und dann ist da ja noch das neue Mini-Center mit Rathaus oben auf, das gleich gegenüber entstehen soll. Noch ein Gralsbringer. Bislang nur ist aber noch nicht einmal der Gral gefunden worden.

© Hans-Jürgen Amtage | 2017 – Der Text darf bei Namensnennung des Autors Hans-Jürgen Amtage unverändert in gedruckten und digitalen Medien übernommen werden

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Minden versucht sich an Mehrzweckhalle

Die Grundstücke nordwestlich des Mindener Bahnhofes könnten sich unter anderem für den Bau einer Mehrzweckhalle eignen. Foto: Edwin-Dodd.com

Die Grundstücke nordwestlich des Mindener Bahnhofes könnten sich unter anderem für den Bau einer Mehrzweckhalle eignen. Foto: Edwin-Dodd.com

Von Hans-Jürgen Amtage

Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Dieses sind die Abenteuer rund um die Überlegungen von Politik und Verwaltungen, in Minden eine Mehrzweckhalle zu errichten. Und das ist wahrlich abenteuerlich.

Vorweg: die unendlichen Weiten befinden sich bekanntermaßen auf dem Rechten Weserufer. Dort, wo die Bahn bislang rund 170 Jahre Grundstücke genutzt und teilweise wohl auch kräftig verseucht hat, ist nicht erst aus jüngster Sicht ein Gelände vorhanden, das sich für so viele schöne Dinge anbietet, die man zurzeit in Minden nicht richtig zur Verfügung hat. Von einem Kino wird schon seit Jahren gesponnen, ebenso von Entertainment wie einer Discothek, und und und. Seit einiger Zeit gesellt sich nun eine Mehrzweckhalle hinzu, weil die Kampahalle nicht wirklich zweckmäßig ist, wenn es um Musik- und Gesellschaftsveranstaltungen geht – und überhaupt in dem in die Jahre gekommenen Sport- und Musentempel an der Hahler Straße so manches nicht mehr in Ordnung scheint.

So fanden sich in den vergangenen Monaten findige Leute, die fanden, dass das Bahngelände auf der rechten Weserseite, das teilweise nicht mehr genutzt wird, genau der richtige Platz für eine Veranstaltungshalle sei. Da war man sich sogar auf beiden kommunalen Ebenen, beim Kreis und der Stadt, einig.

Was fehlt, ist Geld

Doch wie will man so eine Mehrzweckhalle mit – je nach Nutzungsart – zwischen 3000 und mehr als 5000 Plätzen finanzieren, wenn man weder in der einen kommunalen noch in der anderen kommunalen Kasse das nötige Kleingeld hat? Und in der Portokasse erst recht nicht, zumal beide Kassen in Minden immer noch unter oberster Aufsicht stehen.

Die Antwort: man ruft die freie Wirtschaft herbei. Die zeigt sich in Minden immer wieder mal nicht abgeneigt, das ein oder andere sinnvolle Projekt zu unterstützen. Und so eine Mehrzweckhalle wäre schon sinnvoll, weil es die Stadthalle Minden zwar gibt, die aber seit Jahren geschlossen und ohnehin vom Größenzuschnitt immer nur suboptimal war und ist und die Kampahalle eben auch nicht das Optimum bildet.

Von vornherein kräftig im Minus?

Was also grundsätzlich schon einmal nicht schlecht klingt, hat aber auch leider seine Schattenseite. Bei Baukosten in Höhe von gut 22 Millionen Euro für eine „Veranstaltungs- und Kongresshalle Minden-Lübbecke“ (so ungefähr lautet der Arbeitstitel) zuckt noch keiner zusammen. Weder auf Kommunal- noch auf Wirtschaftsebene. Aber, und jetzt kommt es dicke, externe Fachleute haben berechnet, dass für den Betrieb einer solchen Halle ein jährliches Minus von mehr als 1,2 Millionen Euro einzukalkulieren sei.

Dabei muss allerdings gesagt werden, dass diese Zahl eine Art Worst-Case-Szenario darstellt, dass also im schlimmsten Fall keine (Landes-)Zuschüsse oder Sponsorbeiträge für die Errichtung der Mehrzweckhalle generiert werden können. Und damit die Komplettfinanzierung des Objektes als Verlust voll durchschlagen würde.

Diese Summe bleibt dem Ein oder Anderen dann aber schon als Kloß im Hals stecken, wie man nicht erst seit gestern hört, als Stadt und Kreis sich über das Abenteuer Mehrzweckhalle in Minden informieren ließen. Schon als der Minusbetrag das erste Mal ruchbar wurde, sagte manch einer aus der (Geld-)Wirtschaft „Nein, danke!“. Geld versenken, ist eben nicht die Sache der freien Wirtschaft, zumindest nicht in Minden, wo besonders familiengeführte Unternehmen als Stütze der kulturellen Gesellschaft auftreten. Und die haben meist eben auch noch ein Gewissen, was man von Daimlers und Telekoms ja nicht unbedingt immer behaupten kann.

Dennoch lassen sich viele heimische Unternehmer aber auch nicht abschrecken und würden einen Projektverein, der extra für die Errichtung der Mehrzweckhalle gegründet werden soll, aktiv unterstützen. Dabei gilt aber auch für diese Unterstützer, dass sie nichts zu verschenken haben. Und so bleibt die Frage: Ist eine solche Halle überhaupt realisierbar, wenn man von vornherein von solch hohen Verlusten ausgeht?

Warten wir die nächsten Wochen mal ab, wie die Antwort aussieht.

© Hans-Jürgen Amtage | Veröffentlichung und Weitergabe nur mit Genehmigung des Autors

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Obermarktpassage: Woche der Vorentscheidung

Die Obermarktpassage. Eine unendliche Geschichte oder der große Wurf? Diese Woche könnte sich eine Entscheidung abzeichnen. Luftbild: Edwin-Dodd.com

Die Obermarktpassage. Eine unendliche Geschichte oder der große Wurf? Diese Woche könnte sich eine erste Vorenntscheidung abzeichnen. Luftbild: Edwin-Dodd.com

Von Hans-Jürgen Amtage

Irgendwie bin ich mir nicht sicher. Wird es wieder einmal eine unendliche Geschichte? Wird es der unerwartete große Wurf? Oder ein großer Reinfall?

Die Rede ist von der Obermarktpassage. Jenem ehemaligen Einkaufstempel, der 1984 die Einzelhandelszukunft nach Minden bringen sollte, als Einkaufsdisneyland bezeichnet wurde, dann unzählige Höhen, Tiefen und Centermanager erlebte, um letztlich dahin zu dümpeln und nun dadurch glänzt, dass das Center zu fast Zweidritteln leer steht und nicht mehr zugänglich ist.

Genauso unruhig wie die „Lebensgeschichte“ dieser Passage ist ihre mögliche (oder unmögliche) Zukunft. Von einem amerikanischen Reibachfonds namens Cerberus Capital Management gekauft, gnadenlos herunter gewirtschaftet und jetzt wahrscheinlich als das Abschreibungsobjekt des Jahrhunderts bei den Anlegern gefeiert, dient sie hervorragend als Spekulationsobjekt. Nicht unter finanziellen Gesichtspunkten, sondern nach dem Motto: „Wird das noch was?“

Das interessante dabei: Es gibt durchaus interessante Ansätze – mit denen sich die Mindener Politik aber auch Teile der Stadtverwaltung sehr schwer zu tun scheinen. Es mag an den Protagonisten liegen, die dabei im Spiel sind – und sicherlich nicht immer die glücklichste Hand bei ihrem Vorgehen hatten. Auf der anderen Seite können sie inzwischen nachweisen, dass sie keinen schlechten Riecher für Projekte haben, wie die aktuelle Umbaumaßnahme der ehemaligen Karstadt/Hertie-Immobilie an der Bäckerstraße zeigt, wo genau diese Protagonisten den Investor nach Minden geschleppt und festgenagelt haben. Namen lassen wir hier einfach mal beiseite. Die Eingeweihten wissen, wer gemeint ist.

Andere Investoren, die keiner kennt

Während also diese Truppe auch in Sachen Obermarktpassage wirbeln möchte, wird in der Verwaltung immer wieder davon geredet, es gäbe noch mehr interessierte Investoren. Das mag sein, auch wenn wohl keiner sie genau kennt. Sicher scheint aber zu sein, dass es mögliche Geldgeber sind, die eigentlich nur eines irgendwie entwickeln wollen: die Stadthalle. Also jenes finanzielle Fass ohne Boden, das die Stadt jedes Jahr einen sechsstelligen Verlustbetrag kostet und eigentlich schon seit 32 Jahren ein nicht funktionierendes Etwas ist, das man als Stadthalle bezeichnet hat.

Doch zurück zu der interessierten Investorengruppe, die aus einem Investor, einem gewieften Berater (die beide aus dem Westen der Republik kommen) und einem Mindener besteht, der vielen mit seinem Aktionismus dermaßen auf die Nerven geht, dass sie ihm die Freundschaft kündigen – oder eben zur Stange halten, investieren und aufgrund seines „Nervens“ für Minden und die Mindener etwas schaffen (siehe Hertie).

Jene Truppe also versucht, das ist belegt, seit Wochen zentrale Entscheidungsorgane dieser Stadt davon zu überzeugen, dass sie einen Plan (wenn auch nicht in Feinzeichnung) für die Obermarktpassage haben. So gab es Gespräche mit Verwaltungsspitze und Politik (manchmal erinnert man sich in diesen Gremien auch nicht mehr daran – oder will sich nicht erinnern). Manchmal ist der ein oder andere auch einfach nur beleidigt, weil er nicht zuerst informiert wurde. Also das übliche Kleinklein in Minden, das ja seit seiner rund 150.000 Euro teuren Logo-Neuerfindung (sind da eigentlich die Personalkosten der teilweise ausschließlich dafür tätigen städtischen Mitarbeiter drin …?) nun ganz groß sein will.

Kleiner Supermarkt, großes Entertainment

Doch das große Ganze schwebt wohl eher der eigenwilligen Investorentruppe vor. Die geht erst einmal davon aus, dass der Supermarkt mit dem „K“ am Anfang seines Namens nicht wirklich Interesse daran hat, in der jetzt vorhandenen Größe bis zum Auslaufen des Vertrages im Jahr 2025 Handel in der Obermarktpassage zu treiben. Gerne etwas kleiner, scheint bei dem Betreiber die Zukunftsperspektive zu sein. Eventuell ergänzt durch einen Discounter.

Das könnte also im wahrsten Sinne des Wortes die solide Basis für die neue Obermarktpassage sein. Denn darüber soll nach den Vorstellungen des Investors und seiner Unterstützer ein ganz neues Einkaufs- und Entertainmenterlebnis entstehen.

Dabei würden die Rolltreppen erst einmal um 90 Grad gedreht, um das Gebäude von unten bis oben komplett durchgängig zu erschließen. Während im südlichen Teil in dem Obergeschoss variable Handels- und Praxenflächen entstehen könnten (das Glasdach würde dabei ganz verschwinden), wäre der nördliche Teil dem Entertainment vorbehalten. Ein Teil des Parkdecks würde eingezogen, mehrere Kinosäle würden über die verschiedenen Geschosse entstehen.

Als möglicher Betreiber tritt ein Kinomacher aus Rahden auf, der auch im erweiterten Entertainmentgeschäft tätig ist und als solide gilt. Problem aber auch hier: während die Investorengruppe den Namen in den Ring wirft, mischt sich gleich auch ein anderer Berater ein, der schon mit dem Kinomann allerhand gemacht hat und wohl ebenfalls mitspielen möchte, weil er mit seinen eigentlichen Überlegungen im Bereich Scharn/Rathausinnenhof nicht weiterkommt.

Verhandlungen nach dem Fastenbrechen

Doch bevor das ganze Obermarktpassagen-Projekt wieder einmal im Chaos versinkt, scheint die rheinisch-ostwestfälische Investorengruppe Klarheit schaffen zu wollen. Die Mindener Spatzen pfeifen von verschiedenen Dächern, dass es in der zweiten Hälfte dieser Woche (da spielt das Fastenbrechen eine Rolle …) zu einem sehr ernsthaften Gespräch zwischen dem Dreigestirn und dem Eigentümer/Verwalter der Passage kommen soll. Ziel: einen vernünftigen Kaufpreis aushandeln, um dann möglichst bald Nägel mit Köpfen machen zu können. Vorausgesetzt, Politik und Verwaltung in Minden sind in der Lage, Entscheidungen zu fällen.

© Hans-Jürgen Amtage | Verwendung des Textes nur mit Genehmigung des Autors

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Lassen Russen Einzelhandelsbebauung am Scharn platzen?

Um die geplante Einzelhandelsbebauung im Bereich Scharn/Rathausinnenhof ist es still geworden. Grund könnte ein russischer Immobilieneinkauf in Minden sein. Foto: Edwin-Dodd.com

Um die geplante Einzelhandelsbebauung im Bereich Scharn/Rathausinnenhof ist es still geworden. Grund könnte ein russischer Immobilieneinkauf in Minden sein. Foto: Edwin-Dodd.com

Es ist still geworden um die geplante Einzelhandelsbebauung am Scharn. Was in den vergangenen Monaten mit viel Eifer (politisch) diskutiert wurde und letztlich die Entscheidung brachte, ein kleines Geschäftszentrum im Bereich Scharn/Rathausinnenhof zu errichten, scheint in der Versenkung verschwunden. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es da auch bleibt.

Das Problem ist nicht etwa, dass die Verhandlungen der Stadt mit einigen noch verbliebenen Teileigentümern des „neuen Rathauses“ nicht so laufen, wie vielleicht gehofft. Denn es zeichnet sich immer mehr ab, dass zwei dieser Besitzer von Ladengeschäften im Rathausinnenhof ihre Handelsflächen nicht an die Stadt abgeben werden. Auch Fragen der Statik bei einer etwaigen Teilüberbauung der Tiefgarage stehen nicht im Vordergrund. Vielmehr scheint das Textilunternehmen C&A das Problem zu sein.

Denn mit dem hat der Investor in spe wohl fest gerechnet, um als eines von zwei großen Einzelhandelsstandbeinen das Projekt Scharnkaufhaus überhaupt realisieren zu können. Doch das würde bedeuten, C&A gibt seinen Standort in der Bäckerstraße auf und zieht an den Scharn. Was zunächst einfach gedacht war, zeigt sich in der Praxis offensichtlich viel schwierger. Grund sind Veränderungen in der Eigentümerschaft der C&A-Immobilie am Wesertor.

Russische Immobilien-Plattform auf Einkaufstour

Denn im Dezember des vergangenen Jahres tauchten plötzlich die Russen auf. Eine kurz zuvor gegründete internationale Private-Equity-Plattform für Immobilien namens Sistema Capital Partners (SCP), die angeblich größte in Russland, nahm 125 Millionen Euro in die Hand und erwarb in Deutschland ein Portfolio aus 21 Geschäftshäusern. Die Objekte befinden sich in den Haupteinkaufsstraßen mittelgroßer deutscher Städte. Und zu denen zählt Minden mit seiner C&A-Immobilie.

Nun werden die neuen russischen Eigentümer von der Idee, die gerade in der Weserstadt erworbene Immobilie zukünftig leer stehend zu sehen, nicht ganz so begeistert sein. Wahrscheinlich also, dass ein Umzug des Textilers von der einen Ecke der Fußgängerzone in die Mitte der Innenstadt eher nicht infrage kommt.

Das wiederum dürfte den Investor des Scharn-Projektes in Schwierigkeiten bringen, vorausgesetzt, er findet nichts Adäquates. Bleibt die Frage zu beantworten: Würden ein größerer Händler und der Blumenhändler Risse ausreichen, um das Scharn-Einzelhandelszentrum auf finanziell sichere Beine stellen zu können. Die Antwort dürfte „Nein“ lauten. Hinzu kommt noch die wenig schöne Aussicht, dass der Denkmalschutz gerne einen Teil des Stadthauses aus den 1950er-Jahren, das sich nördlich an das historische Rathaus anschließt, erhalten möchte. Das bringt zusätzliche Einschränkungen.

Diese Gemengelage scheint also eher darauf hinzudeuten, dass das Projekt Scharnbebauung unter keinem guten Stern steht.

Lichtblick am Wesertor

Da ist es geradezu ein Lichtblick, dass sich mit der fallenden Fassade an der ehemaligen Karstadt/Hertie-Immobilie in der Bäckerstraße die Hinweise verdichten, dass der (jugendliche) Textiler H&M dort mit einem großen Angebot einziehen wird. Auch der Großdrogist Müller kursiert immer noch als potenzieller Mieter am Wesertor.

Doch bei einem Umzug von H&M taucht natürlich sofort die Frage auf: Was passiert mit dem alten H&M-Standort nahe dem Poos?

Gute Frage. Zwar könnte die Wiederbelebung der alten Hertie-Immobilie insgesamt neues Leben in die Mindener Innenstadt bringen, wie die geplante Ansiedlung eines besonders bei jungen Leuten begehrten Sneaker-Shops oder der bereits erfolgte Einzug des Schmuckanbieters Pandora zeigen. Doch das aktuelle H&M-Objekt gilt nicht unbedingt als begehrenswert. Da hilft auch nicht das kursierende Gerücht, dass Lebensmittler REWE hier einziehen wolle, was von vielen Insidern als wenig wahrscheinlich angesehen wird.

So darf man mit Spannung abwarten, wie es in der Mindener Innenstadt weitergeht. Auch, was das ehemalige Haus Wehmeyer am Scharn angeht, wo seit mehr als fünf Jahren im Auftrag des Eigentümers bereits interessante Planungen bei einem Mindener Architekten in der Schublade liegen.

Text: © Hans-Jürgen Amtage

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